Institut für integrale Gesprächs- und Focusingtherapie

Nicht mehr jung und noch nicht alt – achtsam und gelassen älter werden

Referent: Dr. Rainer Eggebrecht

Die Psychologie nennt fünf Faktoren, die helfen, länger jung zu bleiben: sich wundern, sich freuen können, Humor haben, sich Ziele setzen und Neuem gegenüber interessiert und offen zu bleiben.
Ältere Menschen haben wesentlich mehr Lebenserfahrung, Kompetenz und Weisheit als noch so gut ausgebildete Zwanzigjährige – wenn sie ihre eigene Vergangenheit integriert und emotional gut verarbeitet haben. Nach C. G. Jung ist die erste Lebenshälfte ein Dialog mit der Welt: Beruf, Familie, Kinder und Erfolg sind hier wichtige Themen. Doch erst ab der zweiten Lebenshälfte gewinnen tiefere Sinnfragen des Lebens und übergeordnete Werte an Bedeutung – die wir dringend brauchen in einer Zeit immer rascherer Veränderung und zunehmend vernetzter multimedialer Kommunikation.
In diesem Vortrag erfahren Sie anhand wahrnehmungspräzisierender Fragestellungen, wie Sie bewusster in der Gegenwart leben und Ihre eigenen lebensgeschichtlichen Erfahrungen als Ressource für eine erfüllende Zukunft für sich und andere besser nutzen können.

Ort und Termine:
vhs Landshut, Ländgasse 14,  Mittwoch, 19. April 2023, 19 bis 20.30 Uhr
vhs Augsburg, Willy-Brandt-Platz 3 a Mittwoch, 10. Mai 2023, 18.30 bis 20 Uhr

Kontaktabbruch in Familien: Viele Menschen kennen heute in ihrem Umfeld eine Tochter, einen Sohn, die ihre Familie verlassen haben. Konflikte in Familien sind keine Ausnahme, doch der totale Bruch kommt für die meisten überraschend. Mehrheitlich sind es erwachsene Kinder, die sich von ihren Eltern oder auch von der gesamten Familie lösen.

Umbruch in der Pädagogik: Die Generation, die nach dem Krieg geboren wurde, kennt noch die Härte der autoritären Erziehung. Und dann zeitgleich mit deren Erwachsenwerden bahnte sich eine Zeitenwende an. Es begann mit der antiautoritären Bewegung: Erziehung zur Freiheit, zur Selbstentfaltung, Lustprinzip statt Reglementierung waren jetzt die Grundideen. Auch wenn diese Bewegung chaotisch war und sie oftmals durch ihre Grenzenlosigkeit den Kindern wiederum keinen sicheren Halt gab, war es doch der Beginn einer neuen Haltung dem Kind gegenüber. Es ist ihnen zu eng, sie fühlen sich nicht als Person wahrgenommen. Es gibt also zwischen den Generationen völlig verschiedene Bedürfnislagen:
Die junge Generation ruft nach Selbstständigkeit, die Elterngeneration nach enger Bindung.
Heute scheinen sich die Hintergründe für die Konflikte in Familien in eine neue Richtung zu verschieben. Bei jüngeren Erwachsenen ist es vorwiegend nicht das bedrohliche, lieblose Familienszenario, das sie veranlasst, die gemeinsame Familientür zuzuschlagen. Im Gegenteil, es sind die Familien, die „überlieben“, überbehüten. Die erwachsen werdenden Kinder unterbrechen den Kontakt, um durchzuatmen und zu sich selbst zu finden.

Mit den Großeltern ein Herz und eine Seele!?  —  die Enkelthematik
Es gibt eine erhebliche Anzahl an Großeltern, die durch den Kontaktabbruch mit  ihren Kindern ihre Enkel nicht mehr sehen können. Der Verlust der Enkel ist für die Großeltern vor allem deshalb schlimm, weil mit den Enkeln etwas möglich schien, was mit dem eigenen Kind nicht immer so leicht möglich war. Den Enkeln gegenüber kann die Zuneigung, die Liebe besser ausgedrückt werden. Denn Großmütter und Großväter haben einen größeren Abstand, mehr Freiraum zu den Enkeln. Sie sind nicht mehr verant-wortlich, Sie haben mehr Distanz und können aus dieser Position heraus viel gelassener fürsorglich sein.

 Es ist schwer und schmerzhaft, anzuerkennen: Das ganze Dilemma gehört auch zu mir – ich wollte es nicht, aber es ist so gekommen. Der Abbruch entstand aus unserer Beziehungsproblematik und unterschiedlichen Beziehungswünschen. So war es. Es tut mir leid!

Von der Verantwortung der Kinder:
 Auch die erwachsenen Kinder sollten sich bemühen, aus ihrer Subjektivität herausgehen und sich das Gesamtbild anschauen: Was hat meine Familie so werden lassen? Was haben meine Mutter und mein Vater erlebt, bevor es mich gab? Warum sind sie so? Warum ist es so schwer für sie, wenn ich mich abnabele? Auch erwachsene Kinder müssen anerkennen: – Ja, vieles tat weh!  Aber mehr zu geben war meiner Mutter oder meinem Vater nicht möglich. Und: Sie können heute nicht mehr völlig ausgleichen, was ich früher so dringend gebraucht hätte. Wer diese Wahrheit anzuerkennen bereit ist, muss lernen, den verletzten Teil in sich selbst zu betreuen.   Das ist der Preis der Autonomie. 

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