Institut für integrale Gesprächs- und Focusingtherapie

Integral-humanistische Gedanken über Leben und Sterben

Unsere von der Naturwissenschaft geprägte Welt basiert auf einer Grundhaltung, die vorwiegend logische Erklärungen von Wirklichkeit berücksichtigt. Hier zählt oftmals nur das eigene Selbst. Vielleicht erleben viele auch deswegen diese seltsame Verlorenheit in der Welt, die unsere Kultur seit Jahrzehnten prägt. Unsere postmoderne Kultur empfindet eine gewisse kosmische Heimatlosigkeit, ohne Zugehörigkeit zu tieferen Sinnhorizonten. Nur wirkliche Achtsamkeit führt dazu, dass man wach und wertschätzend in allen Lebenslagen ist.

Die Humanistische Psychologie betont daher die immense Bedeutung von Echtheit, Wertschätzung  und Empathie.
Die Art und Weise, wie wir uns und andere erleben, wird als entscheidender Faktor des integral-humanistischen Ansatzes gesehen. Problematische Situationen können dadurch in ihrer tieferen Sinnhaftigkeit wahrgenommen werden.

In gewisser Weise ist dies auch ein spiritueller Raum, ein Erleben und Wahrnehmen in einem besonderen Resonanzfeld, in dem durch Einfühlung in die Welt des Gegenübers etwas von mir, etwas von dir und noch etwas anderes entsteht, was keiner von uns machen kann.
Da dies den innersten Lebensgrund berührt, ist dies auch ein Weg zu tiefen Erfahrungen und Erkenntnissen, wobei das „Wirkliche Selbst“ nicht „Ich-los“ ist – es ist nur nicht mehr ausschließlich mit der eigenen Persönlichkeit identifiziert. Es ist transzendiert in ein einfaches, schlichtes Gefühl des Seins und ein Sich-eins-Fühlen mit einem größeren Ganzen.

Der präsente Augenblick des Lebens ist die Gegenwart. Jetzt ist der Moment, das zu leben, was mir wichtig ist. Es macht daher Sinn, sich immer wieder mal zu fragen: Wofür möchte ich meine begrenzte und nicht nachzuholende Lebenszeit hergeben?
Akzeptanz all dessen, was war und was ist – diese Akzeptanz ist wichtiger, als sich mit „hätte ich doch“ und den verschiedenen Aspekten dieser Erinnerungen auseinanderzusetzen.

Der Blick auf unser gelebtes Leben sollte ein milder, therapeutischer Blick sein, der verstehen will und alles in größeren Zusammenhängen erkennen kann. Damit lösen wir uns aus der Eingrenzung unseres einen  individuellen Lebens, überwinden Trennung und erleben eine Allverbundenheit. Lebenslust lässt sich auch im Abschied vom Leben bewahren und Lächeln ist auch im Angesicht des Todes möglich.

Empfehlungen für eine konstruktive Sterbebegleitung

In einer persönlichen Sterbebegleitung muss sich nicht nur der Sterbende von uns lösen – auch uns stellt sich die gleiche Aufgabe des Loslassens.
Es ist daher wichtig, dass wir uns persönlich schon mit dem Sterben auseinander-gesetzt und eine gefestigte Haltung zum Tod entwickelt haben. Dann können wir den Weg des Sterbenden als Begleiter mitgehen, ohne ihn auf seinem Weg aufhalten zu wollen – unterstützend, aber nicht bindend.
Für einen Sterbenden ist es wichtig, zu wissen, dass er gehen darf und dass niemand ihn zurückhält. Denn er ist auf dem Weg nach innen und wird immer wieder eindösen, einschlafen und zeitweilig mehr „drüben“ sein als hier in der Gegenwart.

Wir sollten dem Sterbenden offen und ehrlich Auskunft geben auf die Fragen, die er stellt. Wenn er aber nicht mehr sprechen möchte, sind ruhiges Dasein, Aufmerksamkeit, einfühlsames und behutsames Handeln wichtiger als verbale Kommunikation.
Wir sollten ihn nicht wachrütteln, ihn nicht zurück ins Leben ziehen wollen.
Auch nicht dadurch, dass wir alte Erinnerungen auffrischen, viel vom Leben draußen erzählen oder betonen, wie sehr alle den Sterbenden vermissen. Ersparen wir ihm zahlreiche Erinnerungsfotos, Fernsehen und anderes, das ihn wieder an diese unsere Welt binden will. Unterstützen wir vielmehr sein Sich-Lösen und lassen wir  ihn seinen Weg in eine andere, unendlich größere Anderswelt machen. Sterbende sammeln und verfeinern ihrer Energien – ihr Bewusstsein wird sensibler.

Der Tod ist nichts Schweres. Eine liebevolle Leichtigkeit und Lebenslust lässt sich auch im Abschied vom Leben bewahren – und ein Lächeln ist auch im Angesicht des Todes möglich.
Die letzten Worte meiner Mutter waren – nachdem ich ihr Lieblingslied „Hoch auf dem gelben Wagen“ auf der Gitarre gespielt hatte: „Es ist so schön, dass es Dich gibt. Jetzt fahren wir.“  Sie streichelte meine Hand und schlief lächelnd und friedlich ein.
Danach war eine unglaublich intensiv-dichte  Stimmung im Raum. Mein Verstand fragte: „Kommt sie jetzt in den Himmel – oder wird sie vielleicht wiedergeboren?  Als was?“ 
Dann stoppte ich meinen plappernden Verstand. Und konnte nun eine andächtig-   geistige spirituelle Wirklichkeit spüren, die mein rational-logisches Denken  um ein Vielfaches übersteigt..