Institut für integrale Gesprächs- und Focusingtherapie

Entscheidungsfindung: Wie Kopf, Herz und Bauch „Ja“ sagen

Abwägen vor Entscheidungen

Vor jeder Entscheidung muss man abwägen. Nach Ignatius gibt es vier Komponenten:

Zeit = Der Rahmen des Abwägens
Verstand = Werkzeug (Kopf)‏
Gemüt = Werkzeug (Herz)
‏Werte = Grundstein (vom Glauben erleuchtet)‏

ZEIT: Früher: Wo habe ich unnütze Ängste und Sorgen ausgestanden, weil ich eine Entscheidung zu lange hinausgeschoben habe? Welche Entscheidungen haben kein gutes Resultat gebracht, weil ich sie zu schnell getroffen habe?
Heute: Wie ist mein Entscheidungstempo: eher zu schnell oder zu langsam?
Wie viel Zeit will ich mir im Hinblick auf den Wichtigkeitsgrad einer Entscheidung gönnen?

KOPF: Früher: Wozu hat es geführt, wenn ich mich zu impulsiv entschlossen habe? Welches Vernunftdenken hat dabei gefehlt?
Heute: Welcher Vernunftmethode folge ich, wenn ich vor einer fälligen Entscheidung stehe?

HERZ: Früher: Was ist passiert, wenn ich Entscheidungen getroffen habe, ohne mein Herz zu Rate zu ziehen? Was habe ich nachher empfunden – kurzfristig?  langfristig?
Heute: Wie berücksichtige ich meine intuitiven Reaktionen, wenn ich Entscheidungen treffe?

WERTE: Früher: Welche Werte waren mir bei Entscheidungen besonders wichtig?
Heute: Welche Werte spielen bei Entscheidungen, vor denen ich derzeit stehe, eine Rolle?
Kann ich bei meinen Entscheidungen zu meinen Grundwerten und Überzeugungen stehen?

Drei Arten der Entscheidungsfindung:
Evidenzerlebnis (= unmittelbare, als wahr empfundene Einsicht)
Eine starke innere Kraft führt zu einer bestimmten Entscheidung, beseitigt jeden Zweifel, so dass mit großer innerer Klarheit gehandelt werden kann.

Aus innerer Sicherheit heraus
Hier wird eine Entscheidung ebenfalls klar getroffen, da sie mit der inneren Grundausrichtung und den inneren Werten übereinstimmt. Das Erwägen einer anstehenden Entscheidung und das Achten auf innere Vorgänge führen dazu, dass sich diese Entscheidung einfach anbietet.

Aus nüchterner Erwägung
Diese vernünftige Vorgehensweise wägt Vor- und Nachteile ab. Bei anstehenden Entscheidungen, die nicht durch starke Evidenz oder durch klare innere ethische Prinzipien entschieden werden, ist die Vernunftmethode wichtig. Man sollte andere zu Rate ziehen, um mehr Information und Sicherheit für die anstehende Entscheidung zu erhalten.

Sicherheit während des Entscheidungsprozesses (drei Fragen)

  • Von woher kommt die Motivation zu dieser Entscheidung?
  • Was würde ich einem Freund in einer ähnlichen Situation raten?
  • Welche Entscheidung möchte ich heute getroffen haben, wenn ich mal geglückt alt geworden bin und auf das Heute zurückblicke – was würde ich mir raten?

Entscheidungsverhalten als Thema
Jede Entscheidung stellt ein gewisses Risiko dar: Man entscheidet sich für etwas, das noch nicht ist, und lehnt die Alternative ab, die ebenfalls noch nicht ist.

Kompetentes Begleiten bei Entscheidungen
Die eigene Wertschätzung sollte zu Beginn besonders betont werden, da Klienten oft unsicher und unzufrieden mit ihrer „mangelnden“ Entschlusskraft sind. Wenn eine Entscheidung noch nicht getroffen werden kann, helfen wir dem Klienten, seinen „Widerstand“ freundlich zu focussieren und arbeiten heraus, wovor ihn dieser vielleicht warnen möchte.

Herausfinden des wirklichen Themas
Manchmal forciert ein Klient eine Entscheidung, hinter der sich ein ganz anderes Thema verbirgt. Wahrnehmungsfragen helfen, das eigentliche Thema zu erkennen:

  • „Worum geht es denn eigentlich?“
  • „Wieso ist die Entscheidungssituation für Sie jetzt so wichtig?“

Auch systemische Fragestellungen können dazu beitragen, die Wahrnehmung zu präzisieren:

  • „Was würde schlimmstenfalls geschehen, wenn Sie die Entscheidung nicht treffen würden?“
  • „Wie war die Situation vorher, bevor Sie sich entschlossen haben, eine Entscheidung zu treffen?“
  • „Was hindert Sie daran, sich jetzt zu entscheiden?“

Wenn der Klient sein wirkliches Thema erkennt und achtsam Bezug nimmt, ist die Entscheidung manchmal sekundär. Geht es jedoch um eine wirklich anstehende Entscheidung, lassen wir den Klienten nochmals genau sein Entscheidungsthema verbalisieren.

Bezug nehmen: Der Klient nimmt Bezug zu beiden Alternativen, die er einzeln focussiert und den jeweiligen Felt sense dazu entstehen lässt. Wir fragen ihn: „Wenn Sie sich vorstellen würden, dass Sie sich für Alternative A entschieden hätten – was taucht da in Ihnen auf?“    Dann dieselbe Frage für Alternative B. Wenn die beiden Felt Senses herausgearbeitet sind, bitten wir den Klienten, achtsam zwischen den beiden Felt Senses hin- und her zu pendeln.

Freiraum vergrößern: Jetzt bitten wir den Klienten, vorsichtig innerlich zurückzutreten und beide Möglichkeiten gleichzeitig wahrzunehmen. Da es ziemlich unwahrscheinlich ist, dass beide Alternativen in der persönlichen Fokussierung genau gleichgewichtig sind, müsste jetzt eine Entscheidung möglich sein, die mit einem Felt shift verbunden ist.

Fragen stellen: Wenn die Entscheidung immer noch unklar ist, hilft oft folgende Frage:
„Was bräuchten Sie, damit Sie sich leichter entscheiden könnten?“